Eine Debatte, die immer mehr an Fahrt aufnimmt, ist die, ob Self-Publishing die traditionellen Nachrichtenmedien obsolet machen wird oder nicht. Während viele der Meinung sind, dass in nicht allzu ferner Zukunft ein Modell mit kostenlosen, von Autoren generierten Inhalten die herkömmlichen Nachrichtenorganisationen irrelevant machen wird – glaube ich, dass dies aus drei besonderen Gründen nicht der Fall sein wird. Die Finanzierung, die journalistische Expertise und eine alternde Bevölkerung werden einen enormen Einfluss auf das Aufkommen von selbstveröffentlichter Literatur haben.

Ein wichtiger Faktor, den es zu berücksichtigen gilt, ist der hohe finanzielle Aufwand, der in prominente Techniken der Nachrichtenbeschaffung fließt. Es wäre für den durchschnittlichen Selfpublisher extrem schwierig, eine Reise nach, sagen wir, Afrika zu bezahlen, um über die dortige AIDS-Epidemie zu berichten. Einzelne Journalisten verfügen nicht über die nötigen finanziellen Mittel, um effektiv Erfahrungen und Fachwissen in der realen Welt zu sammeln. Wenn man sich an die größeren, etablierteren Nachrichtenorganisationen wendet, erwartet man ein Niveau der Berichterstattung, das für einen Self-Publisher auf Dauer nicht tragbar ist.

Ein weiteres zentrales Problem, das sich bei der “individuellen” Art des Publizierens ergeben wird, liegt in der journalistischen Kompetenz des Autors. Da die meisten Menschen zumindest einen anständigen Lohn für ihre aufgewendete Zeit und ihre Ressourcen erhalten möchten, können wir uns nur schwer eine Situation vorstellen, in der die Mehrheit der Self-Publisher sowohl ihren Betrieb finanzieren als auch gleichzeitig ihren Lebensunterhalt verdienen könnte. Große Nachrichtenagenturen arbeiten nach der Theorie, dass ein breiteres, erfahreneres Personal auf diese Weise journalistische Skaleneffekte schafft, die für jemanden, der unabhängig arbeitet, schwer zu erreichen wären.

Schließlich schafft eine alternde Bevölkerung typischerweise soziale Situationen, in denen mehr technologisch basierte Methoden zur Ressourcensammlung als hinderlich für die traditionelleren und standardisierten Paradigmen angesehen werden. Am einfachsten lässt sich die Verschiebung während des Alterns hin zu einer konservativeren Einstellung zu Politik, Religion und anderen sozialen Ansichten untersuchen.

Wir finden es sehr schwer zu glauben, dass eine fünfundachtzigjährige Großmutter in der Lage wäre, den New Yorker oder andere ähnliche Publikationen auf ihrem iPad zu lesen. Je älter die Bevölkerung wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie körperliche Einschränkungen haben, wie z. B. eine schlechte Augenpartie, die die meisten technologiegestützten Methoden des Nachrichtenkonsums obsolet machen würden.

Abschließend bin ich der Meinung, dass Elemente wie Finanzierung, journalistisches Fachwissen und eine alternde Bevölkerung eine Schlüsselrolle dabei spielen werden, dass Self-Publishing die traditionellen Publikationsformen nicht verdrängen wird. Man muss sich nur die Fakten ansehen, um zu dieser Feststellung zu kommen.


Felix Weber - Doktorand und SAP Consultant