Als eine Reihe von Fähigkeiten, die in Menschen verkörpert sind, trägt Humankapital zur Innovationsfähigkeit von Unternehmen bei, indem es die Lern- und Absorptionsfähigkeit erhöht [1]. Kognitive, technische und soziale Fähigkeiten, die keine Routine sind, werden zunehmend nachgefragt [2], dennoch ist wenig darüber bekannt, welche Fähigkeiten das Innovationsniveau von Unternehmen beeinflussen. Von den wenigen Studien, die durchgeführt wurden, wird festgestellt, dass analytische Fähigkeiten radikale Innovationen vorantreiben [3], während Managementfähigkeiten und Marktforschung inkrementelle Innovationen beeinflussen [4]. Allerdings befassen sich nur wenige Studien mit Finanzinnovationen, insbesondere mit Innovationen von islamischen Finanzinstituten (IFIs). Die vorliegende Arbeit versucht, diese Lücke zu schließen, indem sie die Beziehung zwischen Fähigkeiten und Innovation in der islamischen Finanzbranche untersucht.

Die bahnbrechende Arbeit von Robert Shiller [5] legt nahe, dass kognitive und analytische Fähigkeiten, die mit mathematischer und statistischer Modellierung verbunden sind, Innovationen im konventionellen Finanzwesen vorantreiben. Der Derivatemarkt zum Beispiel ist aus Zweigen der Finanzmathematik entstanden, die bei der Preisbildung von Derivaten geholfen haben. Finanzderivate sind eine Form des Glücksspiels [6] und können zu Spekulation führen [7,8]. Die Scharia verbietet jedoch Riba (Zinsen), Glücksspiel und übermäßige Spekulation. Islamische Finanzinnovationen (IF) müssen Scharia-konform sein, damit das Produkt oder die Dienstleistung glaubwürdig ist. Daher befasst sich das islamische Finanzwesen zwar mit Markt- und Kreditrisiken wie sein konventionelles Gegenstück, unterscheidet sich aber durch eine zweite Schicht von Schariah-Risiken.

Vergleicht man konventionelle und IF-Innovationen, so zeigen die Tabellen 1 und 2, dass letztere größtenteils aus inkrementellen oder „nachhaltigen“ Innovationen bestehen, die oberflächlich betrachtet denen des konventionellen Sektors ähnlich zu sein scheinen. Während die Innovationen in beiden Sektoren zunehmend von Technologie geprägt sind, da digitale Plattformen an Popularität gewonnen haben, bleiben Schuldverschreibungen in der konventionellen Finanzierung relevant (z. B. strukturierte Schuldverschreibungen, grüne Anleihen). Eine IF-Innovation wie Sukuk (islamische Anleihe) ist jedoch konzeptionell nicht als Schuldtitel aufgebaut. Stattdessen muss ein IF-Produkt mit Vermögenswerten unterlegt sein, oder es muss die Scharia-Prinzipien der Risikoteilung widerspiegeln. Unter Risikoteilung werden islamische Finanzaktivitäten als Austausch zwischen Käufern und Verkäufern betrachtet, da Gewinne zulässig sind. Dies steht im Gegensatz zu Transaktionen zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern im konventionellen Bankwesen, wo die Verschuldung zur Gestaltung der Transaktionen beiträgt [9]. Die Aufteilung der Risiken zwischen Käufern und Verkäufern begünstigt die vermögensbasierte Beteiligungsfinanzierung. In Tabelle 2 ist beispielsweise dargestellt, wie die malaysische Yinson Holdings mit Beratung durch Maybank Investment und AmInvestment Banks einen Sukuk Mudaraba über 200 Mio. $ zur Finanzierung ihrer Öl- und Gasinfrastruktur emittierte. In ähnlicher Weise gründete die Bank Islam Sadaqa House, ein Sozialkonto, um reale Investitionen in Bildungs- und Gesundheitsinfrastruktur zu finanzieren.

Dill [10] behauptet, dass sich das regulatorische Umfeld der Vereinigten Staaten (USA) stark auf die Minderung systemischer Risiken im Finanzbereich konzentriert – insbesondere Kreditrisiken, aber auch operationelle, Markt- und Zinsrisiken. Regulatorische und rechtliche Rahmenbedingungen setzen die institutionellen Bedingungen für Finanzinnovationen, indem sie das Verhalten von Finanzunternehmen beeinflussen. Laut Sinclair [11] stehen Institutionen, insbesondere rechtliche Institutionen, im Zentrum der Finanzinnovation, da sie nicht nur Anreize, sondern auch Rechte und Pflichten in Finanzverträgen definieren. Malaysia und Bahrain haben sich aufgrund ihrer starken Scharia-Institutionen zu Zentren für islamische Finanzinnovationen entwickelt. Wie Tabelle 2 zeigt, waren diese beiden Länder von 2015 bis 2019 bei vielen Innovationen führend. Noch wichtiger ist, dass sie ein regulatorisches Umfeld entwickelt haben, das die religiösen Grundsätze schützt, um Scharia-Risiken zu minimieren. Bahrains AAOIFI (Accounting and Auditing Organization for Islamic Financial Institutions) und Malaysias ISFB (Islamic Financial Services Board) sind für ihre weltweit führenden Standards im islamischen Finanzwesen respektiert. Neue Produkte und Dienstleistungen, die in den beiden Ländern entwickelt werden, gelten als Goldstandard und ermöglichen es ihren IFIs, in andere Länder zu verkaufen, da sie sich durch geringe Shariah-Risiken auszeichnen. Außerdem haben die Zentralbanken beider Länder getrennte Abteilungen für konventionelle und islamische Finanzen und erkennen damit die Rolle der Scharia bei der Regulierung von Risiken an. In anderen muslimisch geprägten Ländern sind solche Regelwerke noch unterentwickelt. Pakistan zum Beispiel folgt den von AAOIFI und ISFB [12] herausgegebenen Standards. Aus diesem Grund wird in diesem Beitrag der Zusammenhang zwischen islamischer Finanzinnovation und Qualifikation auf der Grundlage von Umfragedaten aus Bahrain und Malaysia empirisch untersucht.

Im nächsten Abschnitt wird die nachhaltige versus disruptive Innovation zusammen mit der ressourcenbasierten Theorie diskutiert. Es folgt ein Überblick über die Hypothesen, die sich auf die Art der Fähigkeiten und die Innovation beziehen. Die empirischen Ergebnisse werden als nächstes ausgearbeitet und die Ergebnisse werden zusammen mit ihren Implikationen detailliert dargestellt.

Referenzen und Open Access Hinweis

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Poon, J.; Chow, Y.W.; Ewers, M.; Ramli, R. The Role of Skills in Islamic Financial Innovation: Evidence from Bahrain and Malaysia. J. Open Innov. Technol. Mark. Complex. 20206, 47. https://doi.org/10.3390/joitmc6030047