Heutzutage sind Produkte nicht mehr nur eine eigenständige, autonome Baugruppe aus elektrischen oder mechanischen Komponenten. Ein Thermostat zum Beispiel könnte in erster Linie nicht nur die Temperatur und andere Eigenschaften der Umgebung wahrnehmen, sondern auch in der Lage sein, auf diese Informationen zu reagieren, um andere Geräte aus der Ferne ein- und auszuschalten oder zu steuern, um die Umgebungstemperatur zu verändern. Man könnte den Thermostat und viele andere zeitgenössische Produktsysteme als intelligente und vernetzte Produkte [1,2] auffassen (Porter und Hepplemann 2014, 2015, Raff et al. 2020). Aus Sicht des Produktherstellers werden auf dem physikalischen Grundprinzip des Bimetalls (im Falle eines Thermostats) ständig neue Funktionalitäten hinzugefügt oder erweitert, sodass das Temperatursignal erfasst und kommuniziert werden kann. In diesem einfachen Aufbau könnten Innovationen in Bezug auf die Verbesserung der Genauigkeit der Temperaturmessung, das Hinzufügen von Kommunikations- und Konnektivitätsfunktionen, die Zusammenarbeit mit verschiedenen Herstellern von Geräten oder Systemen, mit denen der Thermostat „kommunizieren“ kann, so dass die Echtzeit-Temperaturinformationen in verschiedenen oder so vielen Kontexten wie möglich verwendet werden können, die Neupositionierung des Thermostats als Steuergerät statt als reines Messgerät usw. vorgenommen werden. All dies beinhaltet die Veränderung des Status quo und könnte im weitesten Sinne als Innovation interpretiert und gehandhabt werden.
In diesem Beitrag werden wir die Entfaltung dieser verschiedenen Arten von innovativen Handlungen aus einer Längsschnittperspektive betrachten und untersuchen, wie Firmen oder Unternehmen den Übergang, die Evolution oder das Morphing ihrer Produktangebote „choreografieren“ könnten. Produkte werden so konzeptualisiert, dass sie einen Zyklus von physischen zu intelligenten und mit einem cyber-physischen System verbundenen Produkten durchlaufen [3] (The National Academies Press 2016). Mehr Funktionalitäten sind zunehmend nicht in den physischen Grenzen der Produkte verkörpert, sondern befinden sich außerhalb der Produkte als Software in der Cloud und werden von externen Drittentwicklern oder anderen Mitgliedern des Ökosystems beigesteuert. Was sind die Implikationen für produktzentrierte Unternehmen, um diesen Übergang in Bezug auf Innovationsorte und -quellen zu bewältigen? Es sind mindestens zwei Punkte, die wir ansprechen: (1) Firmen müssen ambidextrös agieren, um sowohl die physischen Technologien als auch die Entwicklung neuer Funktionalitäten in der Cyber-Domäne zu innovieren. (2) Unternehmen müssen grundsätzlich einen neuen Produktlebenszyklus postulieren, der den klassischen geschlossenen und konvergierenden Zyklus von Abernathy und Utterback [4] nachahmt, der zum Ende hin eine offene und divergierende Phase aufweist, da über die Produktion des physischen Objekts hinaus kontinuierlich neue Funktionalitäten hinzugefügt werden [1]. Methodisch stützen wir uns auf ausgewählte Fallstudien und konzeptionelle Vermutungen [4] in verschiedenen Bereichen, um unsere Ideen zu artikulieren und zu veranschaulichen, und meiden in diesem Stadium übermäßige theoretische oder empirische Details. Unser Postulat ist weitgehend umhüllender Natur und umreißt den qualitativen, aber wesentlichen Ansatz. Zukünftige Bemühungen könnten sich der Theoretisierung und Verallgemeinerung der Ideen in diesem Papier widmen.
Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Abschnitt 2 greift den klassischen Produktlebenszyklus von Abernathy und Utterback [5] im Zusammenhang mit einem physischen Produkt auf. Abschnitt 3 erörtert die Produktplattformstrategie, die die Diskussion über Innovationen von der Produktebene auf die Ebene der Produktfamilie hebt. Abschnitt 4 behandelt die Voraussetzungen für die Servitisierung von physischen Produktsystemen als nächste Stufe des industriellen Wandels. Abschnitt 5 erläutert intelligente Produkte und Dienstleistungen und die damit verbundenen Geschäftsmodelle zu deren Umsetzung. Abschnitt 6 bietet unsere eigenen Einblicke in die Innovation im Zeitalter der Industrie 4.0 und erklärt die digitale Plattform, die ihr zugrundeliegenden Ökonomien und das beidhändige Management der Cyber- und physischen Domänen innerhalb einer digitalen Plattform. Abschnitt 7 schließt mit einigen allgemeinen Kommentaren und potenziellen Forschungsrichtungen ab.

Referenzen und Open Access Hinweis

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Shum, K.; Kodama, F.; Shibata, T. Towards a Longitudinal Outlook on Industry Transition Management. J. Open Innov. Technol. Mark. Complex. 2020, 6, 79. https://doi.org/10.3390/joitmc6030079